
Reiß dich doch mal zusammen...
Aktualisiert: 8. Sept.
Was ist eine Depression ?
Der Begriff „Depression“ wird im Alltag häufig verwendet. Nach einer Enttäuschung, einem Konflikt oder während einer schwierigen Lebensphase können wir traurig, niedergeschlagen oder vorübergehend antriebslos sein.
Doch nicht jedes Stimmungstief ist eine Depression.
Eine Depression ist eine psychische Erkrankung und gehört zu den sogenannten affektiven Störungen. Diese sind durch Veränderungen der Grundstimmung gekennzeichnet, die häufig auch mit Veränderungen des Antriebs einhergehen. Depressionen sind in internationalen medizinischen Klassifikationssystemen wie der ICD klar beschrieben und diagnostisch eingeordnet.
Dabei wird unter anderem zwischen unipolaren und bipolaren Verläufen unterschieden. Bei einer unipolaren Depression treten ausschließlich depressive Episoden auf. Bei einer bipolaren Störung wechseln sich depressive mit manische Episoden ab.
In diesem Beitrag geht es um die unipolare Depression. Eine depressive Störung unterscheidet sich vor allem durch Dauer und Ausmaß von einer vorübergehenden Verstimmung.
Die Beschwerden bestehen über einen längeren Zeitraum – typischerweise mindestens zwei Wochen – und können das berufliche und private Leben sowie alltägliche Aktivitäten und zwischenmenschliche Beziehungen deutlich beeinträchtigen.
Wie häufig sind Depressionen ?
Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Lebenszeitprävalenz einer unipolaren depressiven Störung liegt bei etwa 17 %. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Etwa jeder sechste Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer unipolaren Depression.
Nach den vorliegenden Daten sind in Deutschland innerhalb eines Jahres etwa 13,1 % der Frauen und 6,4 % der Männer im Alter zwischen 18 und 64 Jahren von einer Depression betroffen.
Frauen erkranken damit etwa doppelt so häufig wie Männer. Depressionen können grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten.
Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts zeigen zudem, wie groß die psychische Belastung in der Bevölkerung ist: Im Jahr 2024 wiesen geschätzt 22 % der Erwachsenen in Deutschland eine depressive Symptomatik auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass bei 22 % eine Depression diagnostiziert wurde.
Erfasst wurden depressive Beschwerden mithilfe eines standardisierten Fragebogens. Auch bei Kindern und Jugendlichen spielen Depressionen eine bedeutende Rolle. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2024 rund 33.900 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren wegen depressiver Episoden oder wiederkehrender depressiver Störungen stationär behandelt. Depressionen waren damit mit 29,1 % die häufigste psychische Einzeldiagnose unter den psychisch bedingten Krankenhausbehandlungen dieser Altersgruppe. Auch in der Arbeitswelt werden die Auswirkungen deutlich: Nach dem DAK-Psychreport verursachten psychische Erkrankungen 2024 342 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherte und waren für 17,4 % aller Fehltage verantwortlich. Allein auf Depressionen entfielen rund 183 Fehltage je 100 Versicherte. Eine Krankschreibung aufgrund einer psychischen Erkrankung dauerte durchschnittlich 33 Tage.
Symptome einer Depression – mehr als nur Traurigkeit
Eine Depression zeigt sich nicht bei jedem Menschen gleich. Und sie bedeutet weit mehr, als einfach nur traurig zu sein. Die Erkrankung kann Gedanken, Gefühle, Verhalten und auch das körperliche Befinden deutlich verändern.
Zu den beiden besonders charakteristischen Anzeichen gehören eine anhaltend depressive, niedergeschlagene Stimmung und der Verlust von Freude und Interesse an Dingen, die früher gerne gemacht wurden. Daneben können weitere Symptome auftreten:
Gedanken
Betroffene können unter starker Selbstkritik, Selbstvorwürfen oder Schuldgefühlen leiden. Häufig kommen pessimistische Gedanken, ein vermindertes Selbstwertgefühl sowie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme hinzu. Auch Entscheidungen können plötzlich schwerfallen. Bei einer Depression können außerdem Gedanken an den Tod oder Suizid auftreten.
Gefühle
Neben Niedergeschlagenheit können Angst, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit oder innere Leere auftreten. Manche Menschen fühlen sich emotional wie abgestumpft und berichten, kaum noch etwas empfinden zu können. Auch Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen sind möglich.
Verhalten
Eine Depression kann dazu führen, dass sich Menschen zunehmend zurückziehen, Aufgaben vernachlässigen oder kaum noch Antrieb haben. Bewegungen können verlangsamt wirken; bei anderen zeigt sich dagegen eine starke innere Unruhe. Auch Schlaf- und Essgewohnheiten oder der Umgang mit Alkohol und anderen Substanzen können sich verändern.
Körperliche Beschwerden - Depressionen können sich auch körperlich bemerkbar machen. Typisch sind beispielsweise anhaltende Müdigkeit und Energielosigkeit, Schlafstörungen oder ein erhöhtes Schlafbedürfnis sowie Veränderungen von Appetit und Gewicht. Auch Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, eine verminderte Libido oder andere körperliche Schmerzen können auftreten.
Wann sprechen wir von einer depressiven Episode?
Entscheidend ist nicht ein einzelner schlechter Tag. Bei einer depressiven Episode liegen mindestens 2 der fünf genannten Symptome vor, darunter mindestens eines der beiden Hauptmerkmale depressive Stimmung oder Verlust von Freude und Interesse. Die Symptome bestehen fast jeden Tag über mindestens zwei Wochen und beeinträchtigen den Menschen in seinem Alltag, Berufsleben oder seinen Beziehungen.
Eine Depression ist deshalb keine Frage von mangelnder Disziplin oder Willenskraft. Von außen können einige Veränderungen sogar falsch interpretiert werden: Rückzug und Antriebslosigkeit können beispielsweise wie Desinteresse, Faulheit oder mangelnde Leistungsbereitschaft wirken. Genau deshalb greift ein gut gemeintes „Reiß dich zusammen“ viel zu kurz.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Depressionen sind behandelbare psychische Erkrankungen. Welche Therapie geeignet ist, hängt unter anderem vom Schweregrad, Verlauf und der Dauer der Erkrankung, von möglichen Begleiterkrankungen sowie von den individuellen Bedürfnissen der betroffenen Person ab.
Grundsätzlich stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zu den wichtigsten Säulen gehören Psychotherapie und medikamentöse Behandlung. Ergänzend können weitere therapeutische und biologische Verfahren eingesetzt werden. Häufig werden mehrere Behandlungsformen miteinander kombiniert.
Psychotherapie
Psychotherapie gehört zu den wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen. Dabei gibt es unterschiedliche therapeutische Verfahren, die verschiedene Schwerpunkte setzen.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Die kognitive Verhaltenstherapie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Gedanken, Gefühlen und Verhalten.
Bei einer Depression können sich negative Gedanken über die eigene Person, die Umwelt oder die Zukunft verfestigen. Gleichzeitig ziehen sich Betroffene häufig zurück und erleben dadurch immer weniger positive Erfahrungen.
In der Therapie geht es darum, solche Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, zu hinterfragen und schrittweise zu verändern. Dazu können beispielsweise die Planung von Aktivitäten, Problemlösungsstrategien oder die Bearbeitung belastender Gedanken gehören.
Verhaltensaktivierung – Behavioral Activation
Bei der Verhaltensaktivierung steht besonders das Verhalten im Mittelpunkt. Eine Depression führt häufig dazu, dass Betroffene Aktivitäten reduzieren, sich zurückziehen und dadurch immer weniger Situationen erleben, die Freude, Erfolg oder soziale Kontakte ermöglichen.
Deshalb werden schrittweise wieder sinnvolle oder angenehme Aktivitäten in den Alltag integriert. Dabei geht es nicht darum, sich einfach „zusammenzureißen“, sondern Aktivitäten gezielt, realistisch und angepasst an die aktuelle Belastbarkeit aufzubauen.
Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie – MBCT
Die Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT) verbindet Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie mit Achtsamkeits- und Meditationsübungen.
Dabei wird unter anderem geübt, Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen bewusster wahrzunehmen, ohne unmittelbar auf sie reagieren oder sie bewerten zu müssen.
Interpersonelle Psychotherapie – IPT
Bei der interpersonellen Psychotherapie (IPT) stehen zwischenmenschliche Beziehungen und aktuelle soziale Belastungen im Mittelpunkt.
Dazu können beispielsweise Konflikte, Verlusterfahrungen, Trauer oder Veränderungen wichtiger Beziehungen und Lebensrollen gehören. Ziel ist es unter anderem, zwischenmenschliche Schwierigkeiten besser zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Lösungsorientierte Kurztherapie
Die lösungsorientierte Kurztherapie richtet den Blick besonders auf Ziele, vorhandene Fähigkeiten, Ressourcen und mögliche Lösungen.
Statt ausschließlich die Entstehung eines Problems zu untersuchen, wird gemeinsam daran gearbeitet, konkrete Veränderungen zu entwickeln und diese im Alltag umzusetzen.
CBASP
Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) wurde speziell für die Behandlung chronischer Depressionen entwickelt.
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf zwischenmenschlichen Erfahrungen. Betroffene sollen unter anderem besser erkennen können, wie das eigene Verhalten auf andere Menschen wirkt und welche Möglichkeiten sie haben, soziale Situationen aktiv mitzugestalten.
Weitere psychotherapeutische Verfahren
Auch psychodynamische beziehungsweise tiefenpsychologisch fundierte Verfahren, systemische Therapie und klientenzentrierte Ansätze können bei Depressionen eingesetzt werden.
Die verschiedenen Therapieformen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Ziel ist jedoch immer, depressive Beschwerden zu vermindern, die Bewältigung des Alltags zu verbessern und langfristig Rückfällen vorzubeugen.
Medikamentöse Behandlung
Eine weitere wichtige Säule der Depressionsbehandlung bilden Antidepressiva.
Antidepressiva beeinflussen unterschiedliche Botenstoffsysteme im Gehirn. Sie sind keine kurzfristigen „Stimmungsaufheller“. Die antidepressive Wirkung entwickelt sich in der Regel erst im Verlauf der Behandlung.
Zu den verschiedenen Gruppen von Antidepressiva gehören beispielsweise:
• SSRI: selektive Serotonin- Wiederaufnahmehemmer
• SNRI: Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
• trizyklische Antidepressiv
• weitere Antidepressiva mit unterschiedlichen Wirkmechanismen
Welches Medikament eingesetzt wird, hängt unter anderem von der individuellen Erkrankungssituation, möglichen Begleiterkrankungen, bisherigen Erfahrungen mit Medikamenten und möglichen Nebenwirkungen ab. Auch nach einer deutlichen Besserung kann eine medikamentöse Behandlung über einen längeren Zeitraum fortgeführt werden, um das Risiko eines erneuten Auftretens depressiver Beschwerden zu vermindern.
Wenn ein Antidepressivum nicht ausreichend wirkt
Nicht jedes Medikament wirkt bei jedem Menschen gleich gut. Bleibt eine ausreichende Wirkung aus, kann die Behandlung angepasst werden.
Mögliche Strategien sind beispielsweise eine Anpassung der Dosierung, der Wechsel auf ein anderes Antidepressivum oder die Kombination verschiedener Medikamente. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Augmentation. Dabei wird ein Antidepressivum durch einen zusätzlichen Wirkstoff ergänzt. Hier können beispielsweise Lithium oder bestimmte Antipsychotika eingesetzt werden.
Behandlung bei schwer behandelbaren Depressionen
Wenn eine Depression trotz angemessener Behandlungsversuche nicht ausreichend auf die Therapie anspricht, spricht man von einem therapieresistenten beziehungsweise schwer behandelbaren Verlauf.
In solchen Fällen wird zunächst überprüft, ob die Diagnose und die bisherige Behandlung weiterhin passen. Anschließend können unterschiedliche Strategien eingesetzt werden.
Dazu gehören beispielsweise der Wechsel oder die Kombination von Medikamenten, eine Augmentation, Psychotherapie oder eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung.
Darüber hinaus stehen spezielle biologische Behandlungsverfahren zur Verfügung.
Elektrokonvulsionstherapie – EKT
Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist ein etabliertes Behandlungsverfahren, das insbesondere bei schweren oder schwer behandelbaren Depressionen eingesetzt werden kann.
Dabei wird unter kontrollierten medizinischen Bedingungen und in Narkose durch einen kurzen elektrischen Reiz ein therapeutischer Krampfanfall ausgelöst.
Nach einer erfolgreichen Behandlung können weitere Maßnahmen notwendig sein, um die erreichte Besserung zu stabilisieren und Rückfällen vorzubeugen.
Weitere Stimulationsverfahren
Neben der EKT gibt es weitere Verfahren, bei denen bestimmte Bereiche beziehungsweise Strukturen des Nervensystems gezielt stimuliert werden.
Repetitive transkranielle Magnetstimulation – rTMS
Bei der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) werden bestimmte Bereiche des Gehirns von außen mit wiederholten magnetischen Impulsen stimuliert.
Magnetkonvulsionstherapie – MKT
Bei der Magnetkonvulsionstherapie (MKT) werden Magnetfelder eingesetzt, um unter kontrollierten medizinischen Bedingungen einen therapeutischen Krampfanfall auszulösen.
Vagusnervstimulation – VNS
Bei der Vagusnervstimulation (VNS) wird der Vagusnerv elektrisch stimuliert. Das Verfahren kann bei bestimmten schwer behandelbaren depressiven Erkrankungen eingesetzt werden.
Tiefe Hirnstimulation – DBS
Bei der tiefen Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation, DBS) werden bestimmte Bereiche des Gehirns über implantierte Elektroden elektrisch stimuliert. Sie gehört zu den hochspezialisierten Behandlungsverfahren.
Lichttherapie
Die Lichttherapie wird insbesondere bei Depressionen mit saisonalem Muster eingesetzt.
Dabei werden Betroffene regelmäßig für eine bestimmte Zeit einer hohen Lichtintensität ausgesetzt. Ziel ist es, den Einfluss von Licht auf biologische Rhythmen therapeutisch zu nutzen.
Bewegung und Sport
Auch körperliche Aktivität und Bewegung können Bestandteil der Behandlung einer Depression sein.
Dabei geht es nicht darum, eine Depression einfach „wegzutrainieren“. Bewegung kann vielmehr als unterstützende Maßnahme innerhalb eines umfassenden Behandlungskonzeptes eingesetzt werden.
Weitere unterstützende Behandlungsmöglichkeiten
Je nach Schweregrad und individueller Situation können weitere therapeutische Angebote sinnvoll sein. Dazu gehören beispielsweise:
● Bewegungs- und Sporttherapie
● Ergotherapie
● Soziotherapie
● Wachtherapie
● psychiatrische Krankenpflege und weitere unterstützende Versorgungsangebote
Auch zusätzliche Belastungen oder Begleiterkrankungen sollten bei der Behandlung berücksichtigt werden. Dazu kann beispielsweise ein problematischer Alkohol- oder Substanzkonsum gehören.
Nicht die eine Behandlung, sondern ein individuelles Behandlungskonzept
Eine Depression wird nicht bei jedem Menschen auf die gleiche Weise behandelt.
Während bei einer Person eine Psychotherapie im Vordergrund stehen kann, kann bei einer anderen eine Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva sinnvoll sein. Bei schweren, chronischen oder schwer behandelbaren Verläufen stehen zusätzliche medikamentöse Strategien und spezielle biologische Verfahren zur Verfügung.
Entscheidend ist deshalb ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept. Auch wenn eine erste Behandlung nicht die gewünschte Wirkung zeigt, stehen weitere therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung.
Krisen im Zusammenhang mit einer Depression
Eine Depression kann nicht nur den Alltag und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sondern auch mit ernsthaften Krisen einhergehen. Besonders wichtig sind dabei Suizidgedanken und suizidales Verhalten sowie nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten.
Suizidgedanken und suizidales Verhalten
Menschen mit einer Depression können sich zeitweise so überfordert, hoffnungslos oder hilflos fühlen, dass ihnen die Zukunft aussichtslos erscheint. In einer solchen Situation können Gedanken an den Tod oder an Suizid auftreten. Depressionen sind daher mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch mit einer Depression Suizidgedanken entwickelt. Ebenso hat nicht jeder Mensch mit Suizidgedanken eine Depression. Zusätzliche Belastungen, beispielsweise der Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen, können das Risiko weiter erhöhen.
Äußerungen über Suizid, Todeswünsche oder das Gefühl, nicht mehr leben zu wollen, sollten deshalb immer ernst genommen werden.
Nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten
Auch Selbstverletzungen ohne die Absicht, das eigene Leben zu beenden, können im Zusammenhang mit einer Depression auftreten. Selbstverletzendes Verhalten kann beispielsweise dazu dienen, starke innere Anspannung abzubauen oder belastende Gefühle vorübergehend zu regulieren.
Nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten und suizidales Verhalten sind nicht dasselbe. Dennoch sollten Selbstverletzungen immer ernst genommen werden, da sie Ausdruck einer erheblichen psychischen Belastung sein können und professionelle Unterstützung notwendig sein kann.
Früh reagieren ist wichtig
Bei einer Depression ist es wichtig, möglichst früh zu handeln. Je länger eine Depression unbehandelt bleibt, desto schwieriger kann der weitere Verlauf werden. Nach einer bereits durchgemachten depressiven Episode besteht außerdem ein erhöhtes Risiko, erneut an einer Depression zu erkranken. Eine frühzeitige und wirksame Behandlung kann deshalb entscheidend sein.
Was kann ich tun, wenn jemand möglicherweise depressiv ist ?
Nicht nur Fachkräfte können einen wichtigen Beitrag leisten. Freunde, Angehörige, Kolleginnen und Kollegen oder andere nahestehende Menschen können häufig die Ersten sein, denen Veränderungen auffallen. Dabei geht es garnicht darum, selbst eine Diagnose zu stellen oder die Depression zu „therapieren“. Viel wichtiger ist es, Veränderungen ernst zu nehmen, das Gespräch anzubieten und den betroffenen Menschen dabei zu unterstützen, geeignete Hilfe anzunehmen.
Ein guter Anfang kann sein, die Person in einem ruhigen Moment anzusprechen und die eigenen Beobachtungen wertschätzend zu formulieren. Dabei sollte möglichst offen und ohne Vorurteile zugehört werden. Fragen können helfen zu verstehen, wie es der Person tatsächlich geht. Gleichzeitig sollten vorschnelle Ratschläge oder Aussagen wie „Reiß dich zusammen“, „Denk einfach positiv“ oder „Anderen geht es noch schlechter“ vermieden werden.
Hilfreich ist es, zuzuhören, Gefühle und Sorgen ernst zu nehmen und Geduld zu haben. Auch Pausen oder Schweigen dürfen in einem Gespräch ihren Platz haben. Neben den Worten spielen Tonfall, Blickkontakt und Körperhaltung eine wichtige Rolle: Eine ruhige, zugewandte und respektvolle Haltung kann vermitteln, dass die Person gehört und ernst genommen wird.
Ebenso wichtig ist es, zu professioneller Unterstützung zu ermutigen. Das kann beispielsweise bedeuten, gemeinsam nach einer geeigneten Anlaufstelle zu suchen, bei der Terminvereinbarung zu unterstützen oder – wenn die betroffene Person das möchte – sie zu einem Termin zu begleiten.
Auch vorhandene Ressourcen und soziale Kontakte können eine wichtige Rolle spielen. Familie, Freunde, vertraute Personen und Aktivitäten, die früher Halt oder Struktur gegeben haben, können unterstützend wirken. Dabei sollte jedoch kein Druck entstehen: Eine Depression lässt sich nicht durch genügend Ablenkung, Sport oder „positives Denken“ überwinden.
Besteht der Verdacht auf eine akute Krise oder Suizidgefahr, steht nicht mehr das normale unterstützende Gespräch im Vordergrund. Hinweise auf Suizid sollten immer ernst genommen und professionelle beziehungsweise akute Hilfe hinzugezogen werden.
Fazit: Depression ist behandelbar
Eine Depression ist weit mehr als vorübergehende Traurigkeit oder ein schlechter Tag. Sie kann denken, fühlen, körperliches befinden, Beziehung und den gesamten Alltag eines Menschen beeinflussen. Gleichzeitig gilt: Depressionen sind behandelbar.
Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von der Schwere und dem Verlauf der Erkrankung sowie früheren, depressiven Episoden, Begleiterkrankungen und den persönlichen Bedürfnissen der betroffenen Person ab. Psychotherapeutischer Verfahren, Medikamente und weitere unterstützende Maßnahmen können einzeln oder miteinander kombiniert eingesetzt werden.
Auch wenn die akuten Beschwerden zurückgegangen sind, kann die Behandlung noch weitergeführt werden. Eine Erhaltungstherapie beziehungsweise Rückfallprophylaxe kann insbesondere bei wiederkehrende Depression wichtig sein, um das Risiko eine erneuten depressiven Episode zu verringern. Dabei können sowohl eine weitergeführte medikamentöse Behandlung als auch eine Psychotherapie hilfreich sein.
Besonders wichtig ist, eine Depression ernst zu nehmen und möglichst früh Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das gilt umso mehr, wenn Suizidgedanken, selbstverletzendes Verhalten oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes auftreten.
Das Umfeld kann etwas bewirken: zuhören, Veränderung ernst nehmen, nicht vorschnell urteilen und dabei unterstützen, professionelle Hilfe zu finden. Niemand muss eine Depression alleine bewältigen. „Reiß dich zusammen“ ist keine Behandlung.
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